I ( guess I don’t) wanna be your dog…

Ich bin gerade dabei etwas über Hunde-Faschingskostüme zu schreiben und da ich mich bei meiner Recherche dermassen totlachen musste, möchte ich euch diesen Spass nicht vorenthalten… Kranke Scheisse!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Posted in Uncategorized | Leave a comment

Bring Your Own Style

Ein schlauer Mann hat einmal gesagt: Stil kannst du schon kaufen, nur den guten, den eigenen nicht. Aber was ist das eigentlich, der eigene Stil? Über wie viele Bad-Taste-Brücken muss man schreiten um irgendwann im Fashion-Ikonen-Nirwana aufgenommen zu werden? Eine Selbstanalyse…

 

„Hi, I have a fashion blog, can I take a photo of you?“, so schallt es mir schon mal ins verschlafene Ohr, wenn ich mich in einem trendigen Berliner Szene-Bezirk morgens auf den Weg zum Bäcker mache. Vor allem wenn ich unbedacht den, zugegeben etwas auffälligen, kobaltblauen 80er-Jahre-Velours-Ledermantel und die usbekische Fellmütze als Outfit gewählt habe. Klarerweise fühle ich mich geehrt, wenn ich als modisches Individuum wahrgenommen werde und freue mich über die eigene Einzigartigkeit, wäre da nicht die Dichte der um den Hals gehängten Spiegelreflex-Kamera-Träger mit Blogger- Ambitionen in den letzten Jahren so explodiert, wie die der Coffee-To-Go-Läden, die aussehen wie eine schlampige WG-Küche. Aber das sind Berlin-spezifische Phänomene. Es soll sie ja geben, die Hipster, die hoffnungsvoll auf gewissen Straßen auf und ab flanieren, nur um „abgeschossen“ zu werden. Ich kann mit vollem Brustton der Überzeugung sagen, dass ich nicht dazu gehöre. Ich ziehe das an, was mir gefällt, gerne auch mal etwas Ausgefalleneres, aber manchmal auch nach dem Motto: Schwarz ist das alte und das neue Schwarz und wird immer schwarz bleiben. Soll heißen, wenn ich meine Tage bekomme oder einen Kater habe, bin ich auch gerne mal unsichtbar und mache nicht auf Joan-Collins-meets-Debbie-Harry-79‘.

 

Stil kann man nicht kaufen, sagt man so, aber wo bekommt man ihn her, wo fing die eigene Stilbildung an, wie wurde ich äußerlich zu dem, was ich heute darstelle? Wenn ich mir Teenager-Fotos ansehe, dann wird mir schnell klar, dass ich in diesem Alter der allgemeinen Verwirrung auch bei den Outfits sehr konsequent danebengegriffen habe. Andererseits waren das die 90er Jahre, die nicht gerade für ihren klassischen, zeitlosen Stil in die Geschichte eingegangen sind. Hawaii-Hemden, bunte Felljacken mit Riesen-Krägen, Samt-Schlaghosen und Polyester-Hemden mit 70er-Jahre-Muster zur Ballon-Mütze waren Pflicht, Muscheln am Lederband trug man um den Hals und an den Füssen klobiges Plateau in Camouflage-Optik.

 

Rave-Hippie-meets-Grunge-Barbie

Ekelhaft, aber konsequent, wie die Musik-Videos aus dieser Zeit. Aber vielleicht muss man noch viel weiter zurückschauen, in die Kindheit. Auf der Suche nach frühen Fashion-Statements fällt vor allem mein Hang zu ungewöhnlichen Kopfbedeckungen auf. Im Alter von 2-4 Jahren liebte ich folgende zwei besonders am Kopf: Unterhosen, besonders aus Frottee und ein Häkel-Ungetüm, wie man es verwendet um auf der Kofferraum-Ablage des Autos eine Klopapier-Rolle darunter zu verstecken.

 

Meine Eltern waren sehr tolerant und ließen mich auch in der Öffentlichkeit diese ungewöhnlichen Kreationen tragen. „Verkleiden“ war mein liebstes Spiel als Kind und die Faschingszeit die schönste Zeit, unbewusst probierte ich mich und meinen späteren Stil vor dem Wohnzimmerspiegel bis zum Erbrechen aus.

 

Meine erste bewusste Fashion-Offenbarung erlebte ich dann als Teenager im Alter von 14 Jahren, als ich das erste Mal nach London reiste und vollkommen überwältigt in Camden stand. Das musste der Nabel der Welt sein, hier wollte ich leben, lieben, shoppen! Damals gab es noch keine Blogs und Trends verbreiteten sich viel langsamer, und so war ich zurück von meiner England-Reise modetechnisch mindestens ein halbes Jahr voraus mit meinen Karo-Hosen und den Handschellen als Handtaschen-Accessoire. Ich wurde immer selbstbewusster und schuf vermehrt Eigenkreationen, bedruckte und bemalte T-Shirts. Glitzerschrift war top, Worte wie Soul oder Glam, aber auch Album- Titel wie Sheer Heart Attack oder No Rest for the Wicked, sowie Filmzitate (Ich habe eine Wassermelone getragen, Dein Freund war fantastisch) sorgten für Aufsehen im Münchner Underground. Kurz vor meinem Umzug nach Wien wurden meine Fashion-Statements so mutig, dass ich ein Shirt schuf auf dem stand: Munich sucks! Das kam so gut an, dass ich es sogar im kleinen Stil vertrieb und unzählige Exemplare in Umlauf brachte. Irgendwann war die Jeans-und-T-Shirt-Phase vorbei, mittlerweile kleide ich mich nach dem Motto: Dress or Trainers! Also entweder Kleid, oft Vintage, oder Zuhause und Schluffi, dazwischen gibt es nicht viel. In drei Jahren als Party-Veranstalter in Wien habe ich kein Outfit zweimal getragen, das ist doch wohl Ehrensache.

 

Nur blöd wenn dieses Konzept einmal durcheinander gerät, dann hilft nur noch bluffen: Vor zwei Jahren war ich im Rahmen der Berliner Fashion Week auf eine Modenschau eingeladen. Und da es am Abend zuvor spät wurde, fiel ich aus dem Bett, in einen müffeligen Jogginganzug und drüber meinen schicken Vintage-Christian-Lacroix-Wintermantel, im Kopf den Plan, schnell hin zur Show, dort ist es ganz dunkel, keiner sieht mein Outfit und danach fahr ich sofort zurück ins Bett. Doch blöderweise traf ich dort zwei nette Kolleginnen, die mich überredeten sie noch auf einen exklusiven Launch einer schwedischen Kaufhauskette in einer schnieken Privat-Wohnung in Mitte zu begleiten. An der Tür nahm man uns zuvorkommend die Mäntel ab und ich musste mich meinem Schicksal ergeben. Da stand ich nun in den sackartigen, ausgeblichenen lila Puma-Jogging-Hosen meines Vaters, die dieser in den 80er Jahren beim bulgarischen Volkstanz getragen hatte und musste so tun, als wäre das ein Fashion Statement. Sofort kamen superfreundliche PR-Damen heran und wollte wissen, wer ich denn sei und ich hörte mich selbst mit dem Brustton der Überzeugung sagen: „Ich bin verantwortlich für den Musik und Moderessort bei XY…“. Ich hatte nicht mal Concealer benutzt, es war schrecklich, aber solche Erlebnisse härten ab und man lernt auch in einem Postsack selbstbewusst zu agieren, was ich übrigens auch schon mal gemacht habe, aber das ist eine andere Geschichte…

Posted in cheap entertainment | Tagged , , , , , , , | Leave a comment

Working Hard For The Money

„Wenn dir dein Taschengeld nicht reicht, dann such dir halt einen Nebenjob!“, mit diesen Worten meiner Mutter hat alles angefangen. Mein erstes Geld hatte ich mir schon im zarten Alter von 13 Jahren mit „Kinderschminken“ auf Sommerfesten verdient, aber die hielten nie still, nervten und hatten oft so ausgefallene Wünsche wie „Dinosaurier“ und wollten nie ein Schmetterling oder ein Tiger sein. Mit siebzehn fing ich also an, bei einem Pizza-Service zu arbeiten, als Bäcker und Mädchen für alles.

Auf Hygiene wurde kein allzu großer Wert gelegt, „alles“ umfasste auch den Schimmel vom Eimer mit Bolognese-Sauce abzuschöpfen oder vom Käse abzuschneiden. Meine Chefin, eine Kettenraucherin mit Hang zu fettigem Haar, pflegte immer zu sagen: „Der Pizza-Ofen hat über 300 Grad, was da durchgeht, ist danach eh hin!“ Wenn gerade nichts los war, spielte ich mit den Fahrern, halbkriminellen Kickboxern aus der Nachbarschaft, Karten oder wir brachten Tadege, unserem ghanaeischen Kollegen, bayrische Begriffe wie „Holz vor der Hüttn“ oder „Oachkatzlschwoaf“ bei. Das war immer sehr lustig, bis zu dem Tag an dem Tadege meinte: „Wenn meine Frau nicht gehorcht, dann kriegt sie ein paar, dann versteht sie…“. Danach fand ich ihn nicht mehr so nett.

Irgendwann wurde es mir in dieser Pizza-Höllen-Küche zu eklig und ich fing an, Samstags und in den Schulferien bei einer Bäckerei zu arbeiten. Doch auch hier wurde mit Schimmel eher locker umgegangen und ich machte meinen ersten Ausflug in die Gastronomie. 2 Monate verdingte ich mich als Bedienung bei Wienerwald, dort musste ich eine lächerliche Kellnerinnen-Tracht tragen: Einen Faltenrock, dessen Farbgebung einer Gardine im Altenheim glich, dazu eine asymetrische weiße Schürze und eine Bluse, die mit einem Huhn bestickt war. Neben dem Chef war ich die einzige Deutsche im Lokal, das supermoderne Bonierungs-System, bei dem die Bestellung automatisch in der Küche ausgedruckt wurde, funktionierte genau gar nicht, da niemand dort die deutsche Sprache in Schrift beherrschte, so musste ich zur Küche rennen, Blickkontakt mit dem Koch suchen und ihm überdeutlich und langsam meine Bestellung zubrüllen.

Nüchtern betrachtet

Zweimal im Jahr habe ich auch auf einem Weihnachts- beziehungsweise Sommermarkt gearbeitet, wo ich gegrillte Maiskolben und Ofenkartoffeln verkauft habe. Lustig war es vor allem zur kalten Jahreszeit, da wir dann auch Glühwein im Angebot hatten, von dem ich selbst immer ein Stamperl irgendwo rumstehen hatte und quasi 3 Wochen dauerbeschwipst war. Musste ich das Geschirr in den Spülcontainer bringen, so traf ich dort oft einen Alt-Hippie mit dem ich mir einen Ofen teilte, der nichts mit Kartoffeln zu tun hatte. Beim Verlassen der dampfenden Waschküche in die klirrende Winterluft fuhr dieser doppelt so schnell ein.

Die letzten Monate bevor ich nach Wien gezogen bin, habe ich in der Münchner Philharmonie, einem großen Konzerthaus, beim Catering gearbeitet – die Lachsbrötchen und Sektreste durften sich die Angestellten am Ende des Abends mitnehmen, für meine allgemeine Armut also eine recht luxuriöse Zeit, in der meine Ernährung hauptsächlich aus diesen beiden Komponenten bestand.

In Wien ist es jobmäßig in einem Feinkostgeschäft nahe der Votivkirche weitergegangen (längst war die Taschengeld-Aufbesserung zur Überlebens-Sicherung geworden), dort nahm ich erstmal 5 Kilo zu, da neben – im Überfluss vorhandenen – Schmankerln wie Käse-Leberkäse und Krustenbraten andauernd Feinkostvertreter vorbeikamen, um mich mit französischem Nougat oder italienischem Rosmarin-Schinken zu mästen. Nach einem Jahr hatte ich genug und strebte eine kalorienärmere Nebentätigkeit an.

Nebenjobs lebenslänglich

Zusammen mit M., einem guten Freund und damals noch recht erfolglosem Schauspieler, übernahm ich dutzende Promotion-Jobs und versorgte ganz Wien inklusive meinen gesamten Freundeskreis mit Topfencreme, Actimel, Sojabohnen und ähnlichem. Einmal wurden wir zwei sogar nach Innsbruck geschickt, wo wir für Iglo in einem großen Einkaufszentrum Jonglier-Bälle verteilen sollten und weil das noch nicht doof genug war, mussten wir eigens bedruckte T-Shirts tragen, auf meinem stand „freches Früchtchen“ und auf seinem „junges Gemüse“. Da er aus Tirol stammte und nach Wien gegangen war um reich und berühmt zu werden, litt er umso mehr, als im Laufe des Tages unzählige Bekannte vorbei spazierten und ihn verhöhnten.

Einen Sommer lang machte ich mit M. Fahrgast-Befragungen bei der Schiffs-Anlegestelle am Mexikoplatz, doch nach zwei dicken, amerikanischen Rentner-Pärchen hatten wir meist keine Lust mehr und versoffen unser hart verdientes Geld in der Strandbar Hermann. Es gab auch ganz fürchterliche Promotion-Jobs, bei denen wir zu unchristlich frühen Zeiten an stark befahrenen Strassenkreuzungen Werbeprospekte verteilen mussten. Aus Angst im Halbschlaf überfahren zu werden, machte ich das aber nur zweimal. Besser war es im Manner-Shop am Stephansplatz, da konnte ich die meiste Zeit an der Kasse sitzen, musste ab und an ein paar Riesen-Geschenk-Boxen für arabische Scheich-Frauen packen und durfte urviel Süßes mit nach Hause nehmen.

Als ich schon DJ war und selbst Parties veranstaltete, hackelte ich nebenher bei einem Requisiten-und Eventmöbel-Verleih. Ganz ohne das Geld ging es auch nicht und so führte ich ein gesellschaftliches Doppelleben, so konnte es schon mal vorkommen, dass ich abends bei einer Veranstaltung auf einem Barhocker ein Glas Champagner schlürfte, den ich am Vormittag selbst frierend in einer dunklen Lagerhalle geputzt hatte.

Im Grunde habe ich fast alle Nebenjobs gehasst und tue es immer noch, doch leider war ich immer so schrecklich gut und geschickt, dass alle Chefs mich nur schweren Herzens gehen ließen und am liebsten lebenslänglich übernommen hätten. Ein Bekannter hat einmal zu mir gesagt: „Du verschwendest dein Talent hinter einer Wursttheke!“ Heute tue ich es hinter einer Käsetheke, doch nur noch zwei Tage die Woche. Bis heute fühle ich mich immer als würde ich eine perfekte Rolle spielen, vielleicht hätte ich doch Schauspielerin werden sollen?

Posted in cheap entertainment | Tagged , , , , | Leave a comment

WG des Grauens

Momentan bin ich auf Wohnungssuche. Ich suche nach einer schönen 1-2-Zimmer-Wohnung, bezahlbar und in Wunschlage. Gar nicht so leicht was Passendes zu finden. Ab und zu fragt mich jemand: Wieso ziehst zu nicht in eine WG? Und dann sage ich: Ich habe zehn Jahre in WGs gewohnt, ich habe echt genug davon, ich könnte ein Buch darüber schreiben… für den Anfang reicht aber eine Kolumne.

 

Als ich langsam nestflüchtig wurde, so mit 17-18 Jahren, zog ich vorübergehend zu einer Freundin. In ihr Zimmer. Wir teilten uns ein Bett und hatten eine Menge Spaß, außer wenn ihre Mitbewohnerin, eine temperamentvolle Italienerin mit großen Brüsten und Hang zu knappen Outfits, mal wieder besonders laute Sex-Geräusche von sich gab. Und so lernte ich:

 

Lektion 1: In WGs hat man nur eine sehr eingeschränkte Privatsphäre und kann davon ausgehen, dass einen jeder Mitbewohner schon einmal beim Ficken gehört hat.

 

Als ich mit der Schule fertig war, zog ich in ein 1-Zimmer-Appartement, konnte die neugewonnene Freiheit aber nicht so richtig genießen, zu groß war die Einsamkeit. Nach zwei Jahren beschloss ich mir eine WG zu suchen, das war soo viel cooler!

 

Damals ist gerade „Die fabelhafte Welt der Amélie“ im Kino gelaufen und ich griff die Idee mit den Passfotos auf, welche die Protagonistin verwendet hat, um den Liebsten zu finden. 4 Passfotos auf denen ich mich hinter Schildern verschanzte, auf denen jeweils was anderes stand: „Ich“, „Suche“, „WG“ und „Telefonnummer“. Kopien davon hängte ich an allen Zigarettenautomaten der Straßen auf, in denen ich wohnen wollte. So würde ich Nichtraucher-Mitbewohner von vorn herein ausschließen. Die dubiosesten Menschen riefen an, sprachen mir auf den Anrufbeantworter, Jungs die ein Date wollten, einer der wollte, dass ich für ihn putze (nackt), kurz: jeglicher Mist. Ein Typ klang allerdings viel versprechend, 2er-WG, Innenstadt-Lage, ich ging hin, wir waren uns sympathisch, ich zog ein. Ich ahnte nicht was mich erwartete. Nach außen hin schien alles gut, ich hatte das Studium geschmissen und begann gerade eine Friseurlehre, nebenher schrieb ich Gedichte, machte Party bis zum Umfallen und spielte in experimentellen Theaterstücken obskure Rollen.

 

Er war Aufnahmeleiter bei einer bekannten Daily Soap, lässig und Kiffer.

 

Ich wusste nicht, dass er wegen Drogendealens schon im Knast gesessen hatte, auf Bewährung war und immer noch fröhlich dealte (das Versteck war unser gemeinsames Kellerabteil und manchmal auch  mein CD-Regal). Außerdem war er ein Großmeister im Scheiße-Bauen. Und ich kannte noch nicht seinen fragwürdigen Freundeskreis, den ich mal so grob der Münchner Gangsta-Rap-Szene zugeordnet hätte.

 

Auf jeden Fall fing es damit an, dass sich seine männlichen Gäste gerne mal nachts zugeballert zu mir ins Bett legten, entweder weil sie nicht wussten wohin oder einfach mal schauen wollten „ob da was geht“. Falls ich grad niemanden rausschmeißen musste, dann lag morgens, wenn ich es eilig hatte, jemand in der Badewanne. Kam ich Samstag nachmittags aus der Arbeit, natürlich fix und foxi, weil ich die Nacht davor mal wieder nicht geschlafen hatte, so war in der heimischen Küche After-Show-Party angesagt, auf dem Küchentisch lagen ein paar Lines Koks und einmal musste ich eine vollkommen zugedrogte Porno-Darstellerin trösten, die ihren Moralischen hatte und mir kreischend erzählte, dass ihr Freund sie zu diesen Filmchen  zwingen würde…

 

Etwa 1 Jahr habe ich in diesem Irrenhaus durchgehalten, hier einige Höhepunkte kurz zusammengefasst:

 

  • Minderjährige Serien-Statistinnen, die voll auf Speed die ganze Wohnung auf Hochglanz polierten.
  • Eine Wohnungsparty, bei der einer meiner Gäste von einem seiner Gäste mit einem Klappmesser massiv bedroht wurde.
  • eine Silvesterparty, die trotz meiner Abwesenheit auch in meinem Zimmer steigt und Zerstörung und Diebstahl mit sich bringt.

 

Äußerst wütend schrieb ich eine Hass-Ode an meinen Mitbewohner und machte mich zu einem Poetry-Slam auf. Während meines Vortrags riss ich mir theatralisch die Jacke vom Leib und trug darunter ein Shirt, auf dem stand: SUCHE WG-ZIMMER! W und G hatte ich genau auf die Brüste gemalt. Was soll ich sagen, an diesem Abend fand ich eine neue Bleibe, gemeinsam mit 3 Jungs, „alles wird gut“ dachte ich. Von wegen.

 

Hier herrschte Zucht und Ordnung mit Struktur! Es gab einen Putzplan, eine Badewanne in der Küche und einen Feuermelder, der schon bei angebranntem Toast zu heulen begann, aber so hoch aufgehängt war, dass nur die großen Männer auf großen Stühlen stehend fähig waren, ihn abzustellen. Auf dem Klo gab es FHM-Kalender und natürlich wurde im Stehen gepinkelt. Alles ging soweit gut und besonders der Sportstudenten-Mitbewohner war bei meinen Freundinnen sehr beliebt, oft versuchten sie den Moment abzupassen, wenn er, nur mit einem kleinen Handtuch bekleidet aus der Küche/Bad kam und seinen Adoniskörper samt Waschbrettbauch auf dem langen Flur spazieren führte.

 

Im Jahrhundertsommer 2003 hatte ich ein paar stressige Wochen mit Liebeswirrungen, ich schupfte trotzdem im Alleingang meine Gesellenprüfung (mein Ausbilder hatte sich 2 Wochen vorher mit der Kundenkartei aus dem Staub gemacht), doch an eines hatte ich nicht gedacht: Den Putzplan einzuhalten! So wurde eine WG-Sitzung anberaumt, mit ernsten Gesichtern eröffneten mir die Jungs, wie enttäuscht sie wären und dass ich das nur schwerlich wieder gutmachen könnte. Ich  habe wie eine minderjährige Serien-Statistin voll auf Speed geputzt und die Wogen haben sich wieder geglättet.

 

Ein halbes Jahr später lief der Mietvertrag aus, ich zog nach Wien und das Haus wurde abgerissen. Dort teilte ich mir eine Wohnung mit einer schrillen Schauspielerin, die später eine Comedy-Karriere beim ORF machte und immer ihren Hund zuhause ließ, der daraufhin alles zerbiss, was ihm zwischen die Zähne kam. Die Dame hatte einen Freund, der sie gerne so lautstark beschimpfte (vielleicht mochte sie das?), dass mir Hören und Sehen verging. Da wir einen Staffelmietvertrag hatten, hielt es mich dort auch kaum ein Jahr. Es folgten weitere Wohngemeinschaften, unter anderem mit einem Ex-Gspusi, der sich als totaler Sozial-Psycho entpuppte und mich nach einem halben Jahr wieder auf die Straße setzte, unter anderem weil ich sauer war, dass er immer heimlich meine Kosmetikprodukte mitbenutzte. Auch in den letzten Jahren kamen noch einige tragikkomische Anekdötchen hinzu, ich fasse einfach mal zusammen:

 

Lektion 2: Ziehe niemals mit jemandem zusammen mit dem du intim bist/warst, außer ihr seid ein Paar oder es ist bereits verjährt!

 

Lektion 3: Dinge, die dir wichtig sind wie Spezial-Schokolade oder andere Suchtmittel, solltest du immer versteckt in deinem eigenen Zimmer horten!

 

Lektion 4: Ziehe nur mit Männern zusammen, die es nicht als Kastrationsversuch betrachten, wenn man sie bittet im Sitzen zu pinkeln!

 

Lektion 5: 10 Jahre WGs reichen für ein Leben!

 

Posted in cheap entertainment | Tagged , , , | Leave a comment

Familien feiern Feste!

Bevor wir angefangen haben, uns in dunklen Underground-Clubs rumzutreiben, nächtelang auf schruffigen Betonböden die Zehen wund zu tanzen und auf Behinderten-Toiletten mit wildfremden Menschen rumzumachen, gab es genau eine Art von Party in unserem Leben: Die Familienfeier! Dass dieses (oft erzwungene) Zusammentreffen Blutsverwandter nicht weniger ereignisreich und nervenaufreibend ist als so manche Afterhour, beweist folgender Erfahrungsbericht.

Ich hetze die Treppen bis in den vierten Stock hinauf. Natürlich bin ich zu spät, so wie meist. Die Wohnungstür oben ist angelehnt. Ich halte kurz inne, atme ganz tief durch, richte mich auf und trete ein. Eine Geräuschkulisse gleich der eines türkischen Bazars schlägt mir entgegen. Familienfeier. Väterlicherseits. Wer am Lautesten schreit hat am meisten zu sagen. Na dann, Prost! Die mütterliche Seite meiner Verwandtschaft pflegt eher andere Betätigungsfelder. Sie ist spezialisiert auf Intrigen, Erbschleicherei, vorgetäuschte Selbstmordversuche und andere Spielchen. All das würde ein Buch füllen oder eine ergiebige Psychotherapie. Aber zurück zum Thema. Die Feste.

Meine Großmutter kommt aus Ostpreußen, eine „Vertriebene“, so wie etwa jede dritte Oma in meinem deutschen Freundeskreis. Sie hat die Not zweier Kriege am eigenen Leib gespürt, sie wuchs auf Gehöften auf, umgeben von Besitztümern so groß wie Vorarlberg. Zwischen den Kriegen war es ein Land in dem Milch und Honig floss, und mit der Blütezeit der Wirtschaftswunderjahre und der Übersiedelung ins holde Bayern (wo ja wie wir wissen auch „Milch und Honig fließt“, – Zitat Edmund Stoiber), stand vor allem eines ganz oben auf der Liste: „Das große Fressen“.

Zu meiner Zeit, so wie wohl auch die Jahrhunderte davor, erreichte es seinen Höhepunkt jedes Jahr zur Weihnachtszeit, genauer am ersten Feiertag:

12:00 Ankunft bei den Großeltern
12:10 Mittagessen, Gänsebraten mit Knödeln, Rotkraut, Äpfeln und reichlich Soße
13:00 Verdauung, gerne Schnaps
13:30 Vorbereitung des Nachmittagskaffees, es werden erste Kekse (dt.Plätzchen) gereicht
14:00 Kaffee und Kuchen, traditioneller Mohnstriezel, gerne Donauwelle, manchmal Frankfurter Kranz (Buttercreme!) , dazu mehr Kekse
15:00 Bescherung, mehrere Runden „Gottes Segen“ (ostpreuß. Kartenspiel)
15:30 Traditionelles Weihnachtsliedersingen zur großväterlichen Hammondorgel
16:00 Traditionelles Abspülen der Frauen in der Küche, die Männer schauen Fernsehen oder so (keine Ahnung, ich war in der Küche…)
17:30 Abendessen, kalte Wurst- und Schinkenaufschnitt-Platten, Heringssalat mit Mayonnaise, Eiersalat mit Mayonnaise, Shrimps-Salat mit Mayonnaise, geräucherter Lachs, Käseplatte, Brot
19:00 Keiner kann sich mehr bewegen, wir quälen uns die vier Stockwerke hinunter, plumpsen ins Auto, fahren nach Hause und schauen „Stars in der Manege“

 

Nur ein einziges Mal habe ich mehr totes Tier geballt auf einem Esstisch gesehen als an diesen Festtagen und das war auf einem tschechischen Filmfestival, das offensichtlich vom örtlichen Fleischerei-Verband gesponsert war. Ich will damit nur sagen, dass es eine fürsorgliche, liebevolle Mast ist, die allerdings oft übers Ziel hinausschießt. Legendär der Tag, als mein Bruder noch ganz klein war, meine Großeltern ihn hüteten und er sich, nachdem er wieder von meinen Eltern abgeholt wurde, erstmal die ganze Nacht übergeben musste. Sie hatten ihn schlicht und einfach überfüttert.

Auch ich kann manche Dinge bis heute nicht essen, weil meine Oma sie mir als Kleinkind gewaltsam in den Mund gestopft hat.

Eine andere sauer aufstoßende Erinnerung im Bezug auf Familienfeiern ist die Hochzeit meines ältesten Bruders (der Überfütterte). Man könnte auch sagen: Ein Drama in Tracht.

Prinzipiell kann ich nicht verstehen, wie Menschen auf die Idee kommen für die öffentliche Bekundung ihrer gegenseitigen Liebe, Geldsummen im zweistelligen Tausender-Bereich aufzuwenden. Und dann noch, um davon einen rustikal geschmückten „Heustadl“ zu mieten, eine Blaskapelle und 100 Gallonen Bier? No way! (Sollte ich an dieser Stelle erwähnen, dass mittlerweile 2 Kinder in die Welt gesetzt wurden, die sich mit großen Schritten dem Teenageralter nähern, die Ehe unschön geschieden wurde, von kindlichen Langzeitschäden und Verhaltensstörungen gar nicht anzufangen… das schöne Geld…).

Der ganze Terror begann schon zur Mittagszeit. Nach der Trauung fanden wir uns in einem Biergarten im Münchner Umland wieder. Das zum Namen gehörende Getränk wurde ausgeschenkt und die Blaskapelle fing an, lustige Saufspiel-Animation zu betreiben. Nach harmlosen Versen wie: „…Und wer im April Geburtstag hat steh auf, steh auf, steh auf…“ ging es zur Sache mit Derbheiten wie „..Und wer es lieber von Hinten mag…“.

Ein Drama in Tracht

Mein Golden Moment kam, als die furchtlosen Gesellen sangen: „..Und wer denn noch Jungfrau ist…“ – und ich blieb sitzen! Ich war damals 16 und meine Omas und Großtanten durchbohrten mich mit fragenden Blicken. Ich fühlte mich fürchterlich, das straff geschnittene Erb-Dirndl (Trachtpflicht) machte es auch nicht besser. Kurz vorm emotionalen Zusammenbruch kam mir mein anderer Bruder (der Unverheiratete, wie ihn die Verwandten gerne nennen) zur Hilfe und wir beschlossen einen Spaziergang zu machen. In der nächsten halben Stunde fand ich heraus, dass er, damals 29 Jahre, seine Vorliebe fürs Kiffen wieder entdeckt hatte und wir teilten uns einen amtlichen Ofen. Den Rest der Hochzeit erlebte ich auf einer erträglichen Wolke. Das Einzige, was wirklich extrem nervte, waren die notgeilen Wasserwacht–Kumpels meines frisch vermählten Bruders, die ernsthaft und ausdauernd versuchten, bei mir zu landen. Zum Glück hatte ich damals noch kein Handy und nach der Nummer des elterlichen Telefonanschlusses trauten sie sich dann doch nicht fragen. Als ich ihn noch hörte, wie er gut angetrunken einem Kumpel ins Ohr schrie: „ Ich bin zwar 31, aber ficken kann ich immer noch wie 21!“ Gratulation!

Wenn ich einmal heiraten sollte, dann möchte ich das auf einem Barockschloss tun. Mit diamant-bestäubten Pfauen, einem gigantischen Feuerwerk und Lady Gaga soll mir und meinem Bräutigam ein Ständchen singen. Zu essen gäbe es Kartoffelbrei, Spinat und Spiegelei, zu trinken nur besten Champagner. Und Cola light – für den Bräutigam. Da muss ich wohl auch noch ein paar Kolumnen schreiben, bis das umsetzbar ist. Oder anfangen Lotto zu spielen.

Familie ist das, wo man zwar Gen-mäßig aus einer Suppe gerührt wurde, doch manchmal das Gefühl hat, aus verschiedenen Sonnensystemen zu stammen, weil man so unterschiedlich ist.

Auch wenn man in eine andere Stadt zieht, holt sie einen immer wieder ein und ob man will oder nicht, man ist ein Teil des ganzen Irrsinns. Mittlerweile hab ich gelernt, dass man nicht immer aufessen muss, es nicht weiter auffällt, wenn man eine halbe Stunde zu spät kommt und falls man keine Lust auf „Gottes Segen“ hat, kann man auch die neueste „Krone am Sonntag“ durchgehen.

Posted in cheap entertainment | Tagged , , , , , , | Leave a comment

Sleeping IN MY CAR

Mein Sternzeichen? Ich bin Krebs. Eigenschaften, die dem gemeinen Krebs abgesehen von ergebener Treue und Hingabe sowie großer Sensibilität gerne zugesprochen werden, sind Häuslichkeit und Harmoniesucht. Letzteres mag unter Umständen zutreffen, aber die angeblich gottgegebene Nestbauveranlagung muss ich vehement abstreiten.

Mein zweiter Vorname ist “Hummeln im Hintern”, nie halte ich es zu lange an einer Stelle aus und dass mein Besitz den Inhalt weniger Umzugskartons seit Jahren nicht übersteigt, stimmt mich glücklich. Seit ich mit 18 Jahren zuhause ausgezogen bin, habe ich 12 Übersiedlungen hinter mir, kein schlechter Schnitt für 11 Jahre. Meinen Weg säumen unzählige WGs, Zwischenmieten, Besenkammern, 1-Zimmer-Appartements, 100-qm-Altbaupaläste. Ich habe mit einem Drogendealer, 3 Jungs, besten Freundinnen, Tieren, Boyfriends und Menschen aller Nationalitäten und geschlechtlichen Orientierungen gelebt. Im Dreck, in Sauberkeit, in Harmonie und Hass. Zweimal bin ich in eine neue Stadt gezogen, ohne Job und genaue Vorstellung was werden soll. Geworden ist immer etwas, meistens was ziemlich Lustiges, Lautes und Buntes.

So ein Leben muss man mögen, ich habe viele Freunde, die nie auf die Idee kommen würden ihre vertraute Umgebung zu verlassen, für die es einer Strafe gleich käme, Altes hinter sich zu lassen um Neues zu entdecken. Ich habe Veränderungen immer gut wegstecken können, schon als Kind war ich flexibel. “Mei, du konntest dich immer beschäftigen, hat man dir einen Löffel gegeben, konntest du 2 Stunden damit spielen” sagt die Mama noch heute. Doch dies soll jetzt kein Aufsatz darüber werden, wer Veränderung braucht und wer nicht, wann du vom Weiterziehen profitieren kannst und wann nicht, vielmehr geht es darum was passiert wenn man noch einen Schritt weiter geht. Noch viel mehr hinter sich lässt als die letzten Male und einfach für ein Jahr ans andere Ende der Welt geht.

 

IT`S THE END OF THE WORLD, AS I KNOW IT

 
Australien, weiter weg kann ich von Berlin aus kaum fahren bzw. fliegen. Dazu lasse ich diesmal nicht nur eine alte Wohnung hinter mir, nein, ich habe beschlossen einfach mal ein Jahr in einem Auto zu wohnen. Erst nach ein paar Nächten in jenem wird einem bewusst von welchen Annehmlichkeiten man sich sonst noch so verabschiedet hat. Keine Badewanne (wenn man GLUECK hat vielleicht alle paar Tage eine KALTE Dusche), keine Waschmaschine, kein Computer, keine Freunde mit denen ich mal so eben auf ein Bier gehen kann, keine Privatsphäre. Auf der anderen Seite: Freiheit, Freiheit, Freiheit.

Gearbeitet wird nur falls das Geld knapp wird, gegessen nur wenn der Hunger nagt. Geschlafen da, wo ich parke wenn ich zu müde bin, es dunkel wird oder die Aussicht optimal erscheint. Meine Frühstücksplätze heißen Bondi Beach, Byron Bay, Surfers Paradise. Ich fange an, diese Karre sauber zu halten wie ich es in einer Wohnung nie machen würde. Alles ist so dicht gedrängt, sobald etwas rumliegt – Schmutzwäsche, Essensreste oder der eigene Partner – ist für einen selbst kaum mehr Platz und Ungeziefer wird angelockt. Ordnung – eine Notwendigkeit also.

Anfangs habe ich extrem unruhig geschlafen, immer wieder habe ich Schauergeschichten von anderen Backpackern gehört, die davon handeln wie böse Ranger einem enorm überzogene Strafen für illegales Campen aufbrummen, jede Nacht warte ich somit nur darauf, dass wer an die Scheibe klopft und ich fies mit der Taschenlampe ins Gesicht geleuchtet bekomme. Vor circa vier Tagen bzw. Nächten war es dann endlich soweit: Die freundlichsten Polizisten, mit denen ich je zu tun hatte, erklärten uns verschlafenen Wollknäueln, dass die Gegend gefährlich sei, da sich hier homosexuelle Männer zu intimen Kontakten träfen (hohoho…) und wo wir denn herkämen, was wir hier vorhätten und dass wir das nächste Mal doch besser auf einen Campingplatz fahren sollten. Sie würden noch die anderen Streifen informieren, dass sie uns verwarnt hätten, damit wir nicht nochmal in unserem Schönheitsschlaf unterbrochen werden und gute Nacht auch! Thank you, you’re welcome, halbsowild.
Interessanter Aspekt des Car-People-Daseins ist auch, dass ich mich ganz stark an den natürlichen Tag-Nacht-Rhytmus anpasse, vor allem in der Natur oder einer Kleinstadt, wo die Gehsteige um 17.30 Uhr hochgeklappt werden. Während des australischen Herbstes/Winters wird es unfassbar früh dunkel, so gegen fünf und lass noch einen kleinen Regenschauer dazukommen, was bleibt einem bald anderes übrig als zeitig schlafen zu gehen? Schließlich kann ich auch nicht stundenlang lesen auf Kosten der Autobatterie und wenn es kein Surrounding gibt, das Unterhaltung bietet, mache ich mich lang. So sind wir einmal nur knapp einem Herzinfarkt entgangen, weil um 19.30 Uhr jemand von der Verwandtschaft auf die Idee kam durchzurufen, wir waren schon in der ersten Tiefschlafphase! Dafür hab ich natürlich mehr vom Tag, wenn ich nach 9 Stunden (ungestört) um 6 Uhr ausgeschlafen von irrsten Vogelgeräuschen aufgeweckt werde. Papageien, Kakadus, Riesenfledermäuse und Känguruhs können wir rund um unser mobiles Zuhause beobachten. In Neukölln werd ich höchstens mal von einer Schlägerei vor der Eckkneipe wach, kein Vergleich also.

ALLES GAR NICHT SO EINFACH

Intimität im Auto ist auch ein heikles Thema, niemand hat mir davor gesagt, dass so ein Geländewagen absurd zu wackeln anfängt, wenn man sich nur mal den Mückenstich am Knie aufkratzen will. Also muss man entweder extrem statisch vor- oder abgelegen jeglicher Zivilisation seinen tierischen Trieben nachgehen. ALLES GAR NICHT SO EINFACH…

Campieren wir einige Tage an der gleichen Stelle und verlassen diese schließlich, so habe ich immer noch dieses Phantomgefühl irgendetwas ebendort vergessen zu haben, ein Bett oder irgendwelche Klamotten auf dem Gehsteig. Aber natürlich ist alles im Wagen. Ich bin zuversichtlich, dass all diese “Randerscheinungen” nachlassen werden und ich irgendwann eins werde mit dem goldenen Holden Jackeroo (australische Prestigemarke übrigens, Jackeroo heißt soviel wie Naturbursch). Allerdings muss ich zum Schluss noch hinzufügen, dass wir vorgestern hier in Brisbane die freundliche Einladung bekommen haben ein paar Tage bei einem entzückenden Musiker und Tattoo Artist zu nächtigen und was soll ich sagen? Ich hab mich gefreut wie ein kleines Baby, eine heiße Dusche genommen und bin erstmal zum Aldi (= Hofer) gefahren, den gibts nämlich hier auch. Was ich gekauft habe? German Schwarzbrot und Cnabanossi. Muss wohl der letzte Rest meiner sternzeichenbedingten Häuslichkeit sein. Australien ist ein tolles Land!

The night is so pretty and so young
The night is so pretty and so young

So very young…

Sleeping in my car – I will undress you
Sleeping in my car – I will caress you
Staying in the back seat of my car making love to you.

Quitsch – Krach – Tsching – Bumm

Posted in travel | Tagged , , , , | Leave a comment

Drogenbeichte

Eine Beichte ist laut Definition das Eingeständnis einer schuldhaften Verfehlung. So weit würden wir jetzt nicht unbedingt gehen, denn die Erfahrungen, die wir gemacht haben, möchten wir nicht missen. Allerdings möchten wir sie auch nicht unbedingt nochmal machen.

 

 

Drogen und vor allem sogenannte Party-Drogen spielen in den Kreisen, in denen ich mich bewegt habe und bewege eine nicht unwesentliche Rolle. Sie haben auch einen großen Einfluss auf die Musik und auf die ganze Ästhetik der Hipster-Kultur im Allgemeinen. Drogen sind „in“.
Ich war immer der Auffassung, man sollte nichts verteufeln, jeder solle für sich selbst entscheiden, was und in welchem Maß er es konsumieren will.
Hauptproblem ist nur, dass sehr viele Menschen kein Maß haben, egal ob es sich um Extasy, Kokain, Alkohol oder Haschisch handelt. Und selbst wenn du glaubst, du hast alles im Griff, kannst du dich täuschen. Das ist das Problem. Der Weg von der Party zum Karlsplatz ist kürzer, als man denkt.
Ich habe in meiner Teenager-Zeit „nur“ unheimlich viel gekifft, gesoffen bis an den Rand der Alkoholvergiftung, Verletzungen, zerschlagene Fensterscheiben und ähnliches inklusive. Ab und zu Schwammerl gefressen…
Alles andere war mir suspekt, ich hatte zu viel Respekt vor „härteren“ Drogen. Mit Anfang 20 nahm ich dann doch das erste Mal Extasy. Ich war auf einem Placebo-Konzert und durch einen Bekannten landete ich danach im Backstagebereich, just in dem Moment, als der Scheiß anfing zu wirken.
Die Band kiffte nur gemütlich vor sich hin und ich war total außer mir, laberte Brian Molko voll, dass ich gerade das erste Mal in meinem Leben und so weiter… blablabla.
Am nächsten Tag waren die Innenseiten meiner Backen komplett aufgekaut, aber ich war immer noch begeistert von dem Gefühl unbändiger Euphorie und Liebe, gepaart mit grenzenloser Gamsigkeit und dem Hang zum hemmungslosen Hedonismus.
Noch immer schwor ich mir nichts zu konsumieren, was durch die Nase aufgenommen wird.
Doch ich änderte meine Meinung innerhalb von Wochen. Mit einem guten Freund war ich in Regensburg. Auf der veranzten Toilette einer widerlichen Großraumdisko zog ich meine erste Line Koks. Und weil man sehr schnell nach mehr giert, wenn man einmal begonnen hat, zog ich nach einer Stunde meine erste Line Speed. Ich tanzte stundenlang durch zu richtig hartem Techno und verstand zum ersten Mal den Zusammenhang zwischen dieser Musik und Drogen. Der nächste Morgen allerdings war die Hölle, wir machten durch, fuhren total verschickt mit dem Zug zurück nach München, und ich bekam einen krass depressiven Absturz. Am späten Nachmittag musste ich ARBEITEN, ein mieser Catering-Job, aber ich hatte nicht geschlafen, 4 Stunden geweint und fühlte mich wie Durchfall.

Der Weg von der Party zum Karlsplatz ist kürzer, als man denkt
Vielleicht hätte ich an diesem Punkt schon mal registrieren können, dass Drogen meiner Psyche nicht so wirklich wohl tun.
In den folgenden Jahren kam es zu sporadischen Exzessen, aber dann so richtig, einmal mit totalem Black Out.
Auf einer großen, schicken Party beschloss ich, die Nahrungsaufnahme zu verweigern, dafür 3  Flaschen Champagner zu trinken und anschließend den mit Spucke befeuchteten Finger in ein Tütchen mit reinem MDMA zu stecken, einmal zu oft vielleicht.
Mitten in einer Unterhaltung verdrehte ich die Augen ins Weiße und wurde bewusstlos.

Euphorie und Liebe, grenzenlose Gamsigkeit und Hang zu hemmungslosen Hedonismus
Man rief einen Krankenwagen und versuchte mich so unauffällig wie möglich nach draußen zu schaffen, denn es war auch Presse anwesend. Zusammen mit den Sanitätern war sofort eine Polizeistreife zur Stelle.
Ein Freund von mir wimmelte die Beamten ab: „Die hat nur a bisl zuviel gsoffn…!“
Ich wurde wieder wach als die Schiebetür zuknallte und ich im gnadenlosen Neonlicht auf einer Bahre lag. Die Sanitäter fragten mich, was ich konsumiert hätte, und nachdem ich anfänglich nicht damit rausrücken wollte, merkte ich schnell, dass das in dieser Situation nicht angebracht war. Nach einer halben Stunde war ich stabilisiert und wurde in ein Taxi gesetzt. Meine Party war zu Ende.
Danach wurde ich etwas vorsichtiger, doch für mich war diese Nacht weniger schlimm gewesen als für meine Freunde. Ich konnte mich ja an nichts erinnern…
Bald darauf fing ich an, selbst Parties zu veranstalten und das Drogen nehmen bekam nochmal einen anderen „Grund“. Wenn man um 20 Uhr in einen Club geht, anfängt Deko zu machen und dann dort bis 7 Uhr früh organisiert, auflegt, auftritt, abrechnet etc. muss man einfach ziemlich gut funktionieren, natürlich geht das mit ein bisschen Koks besser. So ging das – bis ein 17-jähriges Mädchen backstage zusammenklappte, weil sie zu viel Heroin geschnupft hatte, da war bei mir das Fass voll. Speedballs als Party-Droge, das ist nicht erst seit dem Tod von River Phoenix eine ganz schlechte Idee. Heroin und Speed gemischt um gleichzeitig „Up“ und „Down“ zu sein… So ein Käse!
Ich trug das arme Ding nach Hause, ließ sie auf meinem Sofa schlafen, mehrmals in meinen Putzeimer kotzen und am nächsten Tag stand sie um 12 Uhr auf, um zur Matura-Vorbereitung zu gehen! Je jünger man ist, desto unverwundbarer fühlt man sich…
Ich merkte, wie ich schon so ein bisschen den Bezug dazu verlor, was man seinem Körper so alles zumutet. Wenn es keine Drogen waren, dann der Alkohol und wenn man krank war, freute man sich über die verschriebenen Codein-Hustentropfen und kippte sie in ein Wodka-Red Bull. Gesundheit!

Berlin, Sommer 2008. 3 Tage wach. Volles Programm. Bar 25. Speed. Ich fiel rückwärts in ein Feuerloch, zum Glück war das Feuer schon aus. Schürfwunden. Berghain. Extasy in den Mund gesteckt bekommen. Armdrücken gespielt. Verletzt. Arm „ausgerissen“. Zigarettenbrandlöcher in den Beinen. Depression.
Fazit: körperlich ein Total-Schaden, seelisch ein Krater. Darüber nachgedacht, warum ich meinem armen Körper das antun muss.
Keine plausible Antwort gefunden.
Am 7.11.2008 habe ich das letzte Mal Drogen genommen, das war der Tag meiner Abschiedsparty in Wien, um meinen Umzug nach Berlin zu feiern.
Niemand hat mir damals geglaubt, dass ich mit diesem Städtewechsel ruhiger werden würde, das Gegenteil wurde vermutet. Mittlerweile rühre ich nicht mal mehr Joints an, Alkohol trink ich einmal die Woche und mein Zigaretten-Konsum liegt bei einer Schachtel – pro Woche.
Ich bleibe oft mal Samstag Abend zu Hause, wache Sonntag um 9 Uhr auf, weil ich ausgeschlafen bin und genieße es keinen Kater zu haben.
Dann kauf ich mir am Hackeschen Markt einen frisch gepressten Orangensaft und beobachte die verstrahlten Party-Touristen, die durch Mitte geistern, Untote mit Ray-Ban-Sonnenbrillen und freu mich über die Aktivität der Gehirnzellen, die überlebt haben.
Irgendwie hat jemand einen Schalter umgelegt und das ist gut so.
Egal ob das nun für immer so bleibt oder nicht, es ist gut auf seinen Körper zu hören und wenn er „Stop!“ schreit nicht einfach weiterzumachen!

Posted in cheap entertainment | Tagged | Leave a comment